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Akademie Wilhelmshaven
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WT-Philosophien

Die Philosophien des WingTsun

 

Der Buddhismus

Die Einstellung zum engagierten Training und dem Streben nach Perfektionismus. Beim Buddhismus unterscheidet man zwei ursprüngliche Hauptbereiche. Zum einen den Mahayana-Buddhismus, oder auch nördlichen Buddhismus. Zum anderen den Hinayana oder Theravada-Buddhismus, der auch als südlicher Buddhismus bekannt ist. Diese beiden buddhistischen Stilformen unterscheiden sich nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich sehr deutlich. Beide Stilformen kennen keinen allmächtigen Schöpfergott. Ganz im Gegenteil. Der Buddhist strebt die Buddhaschaft, d.h. Erleuchtung, an, was im Katholizismus als Blasphemie beschrien wäre. Während im Mahayana-Buddhismus großen Wert auf Meditation und Abgeschiedenheit gelegt wird, praktizieren die Anhänger des Hinayana-Buddhismus Aufgeschlossenheit und Menschennähe. Im Buddhismus herrscht der Glaube an die Reinkarnation (Wiedergeburt), durch die man irgendwann die Buddhaschaft erlangen kann.

Die Hinayana-Anhänger glauben an die Möglichkeit eines jeden Menschen zu Lebzeiten dieses Ziel erreichen zu können. Die Mahayana-Anhänger bilden eine eher elitäre Geschlossenheit, die durch Askese und Meditation dieses Ziel erreichen wollen. Für die chinesische Kampfkunst ist vor allem der nördliche Mahayana-Buddhismus von unmittelbarer Bedeutung. Aus ihm resultierte der Ch'an-Buddhismus, der den meisten als Zen-Buddhismus geläufig ist. Dieser Einfluss auf Kung Fu ist vielerorts spürbar. Die alte Schule der Shaolin hat allerdings nicht mehr all zu viel mit der Schule des Wing Tsun gemein. Der Buddhismus soll dem Schüler zwar die richtige Einstellung zum Trainieren und zuletzt zum Kampf geben, doch er ist fern ab von Körperabhärtungstraining und stumpfem Nachahmen einer Bewegung. Letztendlich kann man sagen, dass Buddhismus im Wing Tsun den sogenannten "roten Faden" bildet, der jeden Schüler zu engagiertem und selbstdiszipliniertem Handeln auffordert.

 

Der Konfuzianismus

Die geistige und charakterliche Haltung gegenüber seinen Mitmenschen sowie der Beziehung Sifu <-> To-Dai.

Die zweite philosophische Stütze des Leung Ting Wing Tsun ist der Konfuzianismus. Das Ideal des Konfuzianismus ist nicht der weltverachtende Asket, sondern der in allem Maße bewahrende Weise, der die Menschen kennt und respektiert. Der Konfuzianist zeichnet sich durch Verantwortungsgefühl und Ehrlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen, sowie Selbstdisziplin aus. Er lebt nach einem strengen Kodex, bei dem der Mensch immer im Mittelpunkt steht. Die Stärkung und Erhaltung des eigenen Charakters spielt beim Konfuzianist eine große Rolle.
Ebenso großen Wert legt der Konfuzianist darauf, dass der Jüngere, Untergebene, dem Älteren, Vorgesetzten, Respekt und Achtung entgegenbringt. Dieses beruht auf Gegenseitigkeit. Da Wing Tsun traditionell ein chinesisches Familiensystem ist, bei dem die Kinder von den Eltern lernen, spiegelt sich das Miteinander am besten im Konfuzianismus wider.

Das Bild vom vollendeten Kämpfer: Edel und gut erzogen im Auftreten, zurückhaltend und freundlich, hilfsbereit, die Schwachen schützend, aber wenn es darauf ankommt, tödlich und siegreich im moralisch gerechtfertigten Kampf.

 

ALLGEMEINES ZUM KONFUZIANISMUS:

Die Chinesen der Frühzeit – und auch heute ist es noch häufig so – verehren die Ahnen, die Geister der Verstorbenen. Man rief sie an, wenn man Rat suchte. Man holte also seine Kraft für das Leben von „außen“. Im Konfuzianismus trat erstmals eine Philosophie auf, die die Lebensregeln von „innen“ her erstellte. Jetzt wurde der Mensch für seine Handlungen direkt verantwortlich. Das Göttliche lebt, Konfuzius zufolge, nicht nur im Kosmos, es ist auch im Menschen vorhanden. Der muss es nur entdecken und in sich fördern. Zum Göttlichen gehören auch Menschlichkeit, Humanität, Güte, Liebe und Tugend. Wer diese Kräfte in sich belebt, führt ein weises Leben.

Konfuzius ( 551-479 v. Chr.) brachte den chinesischen Humanismus zu einem Höhepunkt . Er verstand sich als Wahrer der Jahrtausende alter Tradition. Für ihn war die Menschlichkeit die Wurzel allen Zusammenlebens. Humanität unterscheidet den Menschen vom Tier. Menschlichkeit zeigt sich im familiären Bereich durch Pietät und Kindesliebe, in der Geschäftswelt und der staatlichen Ordnung durch Loyalität und Treue. Die Prinzipien der Menschlichkeit sah er in den drei so genannten -unumstößlichen Prinzipien- verwirklicht: Unterordnung des Sohnes unter den Vater, der Frau unter den Mann (zu dieser Zeit herrschte ein anderes Weltbild) und des Volkes unter den Herrscher.

Ein Edler ist für Konfuzius nicht ein adlig geborener, sondern ein tief von Moral durchdrungener Mensch. Die soziale Stellung hat für den Weisen keine Bedeutung. Er differenziert deutlich zwischen einem überlegenen Menschen, nimmt aber nicht das Soziale zum Maßstab. Für ihn ist ein Mensch überlegen, wenn er nach Vervollkommnung strebt, und minderwertig, wenn er nur an seinen Profit denkt. Bei Konfuzius deutet sich der Gedanke der Gleichheit aller Menschen an, da er jedem Menschen die Möglichkeit, edel zu werden, zubilligte. Eines aber übersah der Weise, nämlich dass sich die Masse der Bevölkerung seine Gedanken nicht zu eigen machen konnte, denn diese war ja von den Bildungsmöglichkeiten völlig ausgeschlossen.
Ein Schüler des Konfuzius, Menzius (Meng Zi, 372-289 v. Chr.), übte ebenfalls weitreichenden Einfluss auf die chinesische Staatsphilosophie aus. Er behauptete, dass der Mensch von Natur aus gut sei. Jeder verfüge über ein angeborenes Wissen dessen, was gut und schlecht sei.
Das Gegenteil davon behauptete ein jüngerer Zeitgenosse des Menzius, Xun Zi (313-238 v. Chr.). Ihm zufolge ist der Mensch von Natur aus schlecht. Das Charakteristische des Menschen sei die Begierde, sie führe zu Streit und Neid. Deshalb müsse die menschliche Gesellschaft nicht von -innen- her – wie es Konfuzius wollte - sondern durch strikte drakonische Gesetzgebung von außen geformt werden.

Dong Zhongshu (175-105 v. Chr.) erklärte, dass die Natur des Menschen gut sei, die Gefühlswelt aber schlecht .Sie verunsichere die Menschen, pflanze ihm Neid und Hass ein. Dongs Lehre machte auf den Kaiser einen so starken Eindruck, dass er den Gelehrten zum Premierminister ernannte. Seit jener Zeit ist der Konfuzianismus in China Staatsideologie; alle anderen Lehren wurden verboten, was aber beileibe nicht zu ihrer Ausrottung führte. Im Gegenteil. Der Konfuzianismus hatte nie vermocht, die Glaubensvorstellungen und die religiösen Bedürfnisse des einfachen Volkes zu befriedigen. Er feierte in der Beamtenschaft Triumphe, während das Volk sich dem Taoismus zuwandte.

Der Konfuzianismus endete im heutigen China bei der Literaturrevolution in Jahre 1919.

 

Der Taoismus

Der körperliche Einfluß der WT-Lehre. Kraft des Gegners weich aufnehmen.

Die dritte wichtige philosophische Richtung, die Kung Fu beeinflusst ist der Taoismus. Der Ursprung des Taoismus liegt etwa 300 Jahre vor Christus. Der chinesische Weise Lao-Tse benutzte in seiner Gedichtsammlung (Tao Te King) den Begriff Tao (Weg) zum ersten Mal. Nicht um theoretische Erwägungen geht es, sondern um einen Lebensweg, den man wirklich gehen muss, um ihn zu erfahren. Im Einklang mit den Gesetzen der Natur soll der Mensch leben und sich als ein Teil des Ganzen verstehen. Im Taoismus soll man nach dem Prinzip des Wu Wei den Dingen begegnen. Zielstrebigkeit ist erforderlich, Engstirnigkeit dagegen des Menschen Feind. Im Taoismus begegnet man nicht Kraft mit Gegenkraft, sondern versucht die aufkommende Energie sich zu eigen zu machen, indem man klug nachgibt, um die gegnerische Kraft gegen ihn selbst zu richten.

Im WT geht es gerade darum. Der Schüler soll lernen, die gegnerische Kraft durch Nachgeben, Aufnehmen und Weiterleiten zu nutzen und gegen den Angreifer zu richten. Der Taoismus repräsentiert am deutlichsten die Patenschaft zum Leung Ting Wing Tsun. Der Taoismus gibt seinem Anhänger Ratschläge für das tägliche Leben und lehrt ihn, wie man seine Lebensenergien freimacht und störungsfrei zirkulieren lässt, wie man seine Ziele gegenüber Störungsversuchen von Außen erfolgreich erreicht, wie man seine körperlichen und geistigen Kräfte gesund erhält und stärkt.

ALLGEMEINES ZUM TAOISMUS:

Hatte der Konfuzianismus den Menschen in den Mittelpunkt des Kosmos gestellt, so war dies für den Taoismus die Natur. Das Yang bedingte ein Ying. Diese Gegenströmung ging aus von Lao Zi, einem älteren Zeitgenossen des Konfuzius, dessen Lebensdaten aber nicht genau festzustellen sind. Neuere Forschungsergebnisse vermuten, dass er im 3. oder 4. Jahrhundert v.Chr. lebte. Ihm wird "Das Buch vom Weg und der Tugend" (Tao De Jing) zugeschrieben, das dieser Bewegung seinen Namen gab.

Das taoistische Leben ist voll Einfachheit, Reinheit, Stille und im Einklang mit der Natur. Der Konfuzianer stand aktiv im Gesellschaftsleben, wollte es dirigieren; der Taoist zog sich bewusst aus der menschlichen Gemeinschaft in die Einsamkeit und die Meditation zurück. Jemand der auf dem rechten Weg (Tao) wandeln wollte, musste sich demütig allem Natürlichen unterwerfen.

Das Tao ist als das Natürliche erklärt worden, als das Ewige, Unwandelbare, als die Mutter allen Seins, der Anfang aller Dinge. Aus dem Tao entsteht alles - auch Yin und Yang. Alles kehrt auch wieder zu seiner Wurzel zurück. Metaphysisch ist es der Ursprung des "Seins", obwohl es selbst nichts ist. Um dieses " Nicht-Sein" bildhaft zu machen, haben sich die Taoisten verschiedene Beispiele einfallen lassen. So sagen sie: Bei einer Tasse kommt es nicht auf das Porzellan an, das "ist", sondern auf das hohle Innere, das "nicht ist". Eine gute Regierung zeichnet sich dadurch aus, dass man nichts von ihr merkt. Ein Staat ist in Ordnung, wenn der Herrscher zwar "ist" aber "nicht handeln" muss.

Unser WingTsun steht auch in der Tradition des "Tao" und basiert zusätzlich auf dem Wu-Wei-Prinzip, welches Bruce Lee im Jahre 1963 wie folgt beschreibt: "Jetzt werde ich nicht mehr abgelenkt von meinem Gegner oder mir selbst. Ich habe die Technik des Gegners zu meiner gemacht. Ich muss eins werden mit dem Gegner und handele nach dem Wu-Wei-Prinzip, entsprechend den Umständen und ohne den Bewegungsablauf vorher zu planen."

 

Fazit

Letztendlich kann man sagen, dass jede der drei Philosophien ihren Platz im Wing Tsun einnehmen, jede auf ihre interdisziplinäre Art und Weise. Allerdings sollte der Westeuropäer behutsam mit den Aussagen der jeweiligen Philosophien umgehen, da auch wir eine eigene Sozialisation vorweisen können, die sich erheblich von der unserer indirekten Nachbarn unterscheidet.

Vieles, was für den Asiaten natürlich und rechtens erscheint, ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir sollten versuchen, das enorme Wissen Jahrtausende alter Überlieferung teilweise zu verstehen und uns einige Lebensweisheiten zu Nutze machen. Es steckt viel Wahres und Weises in den zuvor dargestellten Philosophien.





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